Eigentlich hatte ich gedacht es sei damit endgültig vorbei. Magisterarbeit abgegeben, Zeugnis bekommen, Uni ade. Und dann war ich gestern doch wieder unterwegs zu einem Seminar. Hatte das Gefühl jahrelang nicht mehr da gewesen zu sein. Das Prüfungsjahr brachte mich zu einer merkwürdigen Distanz zu meiner Universität. Gestern ging ich also durch das Gebäude. Das Semester ist noch in seinen Anfängen, unorientierte Erstsemester schwirren durch das Gebäude. So wie ich. Auch ich war wieder zum Erstsemester geworden. Sentimental schau ich auf die eins, die vor den Fachsemestern auf meinen neuen Studienausweis prangt. Die letzten Jahre waren die Zahlen zweistellig gewesen. Beim Gang durch die Flure fliegen Gesprächsfetzen an mir vorbei: "Wo ist denn der Raum 2117?", "Ach, die zwei bedeutet, das ist im zweiten Stock?", "...Literatur des Mittelalters ist ja sooo interessant, das Seminar...", "Das Nebengebäude, geht es da entlang?", "Terrorismustheorie hat der Prof. gesagt..." und als ich dann an der Cafeteria vorbeikomme, werfe ich einen Blick hinunter auf die unten Sitzenden. Wenn da nur einer wäre, denn ich kenne, geht es mir durch den Kopf, nur einer, dann wäre es wie ein Zeichen, als sei ich nie weggewesen, bin nicht fremd hier, nicht zu alt. Doch ich erkenne keinen, dreh den Kopf schon zurück als ich in diesen Moment T. sehe, der sitzt dort mit eine paar anderen Anglistik-Studenten. Ihn hatte ich noch als Studienanfänger erlebt, wie er das Kulturwissenschafts-Tutorium meiner Mitbewohnerin besucht hatte. Er war noch da und ich fühlte mich sogleich wohlig zufrieden. Dann der Seminarraum, die Seminargruppe mit der ich noch ein zusätzliches Jahr Studentin sein darf, aus Frankfurt, Marburg, Hamburg, München, Stuttgart sind sie und es wird sich vorgestellt und Namensschilder gebaut. Ich bin wieder Erstsemestlerin.
(Buch- & Medienpraxis)
(Buch- & Medienpraxis)
tinowa - am Dienstag, 2. November 2004, 08:45 - Rubrik: Arbeitszimmer