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Arbeitszimmer

wie mir die ausstellung gefallen würde:
magich
so ist sie wohl auch, aber nicht nur. ab dienstag im städel.

immer wieder erscheint (ob beim städel selbst, als auch in den berichterstattungen zur ausstellung) das bild „betty“ von gerhard richter. In öl auf leinwand gearbeitet, erinnert es eher an aktuelle modefotografie. das oberteil, welches betty trägt, ähnelt einer hippen jacken-reihe, die letztes Jahr in den h&m-filialen angeboten wurde und dadurch wirkt das 1988 entstandene Bild ungemein aktuell. als die ausstellung in den USA gezeigt wurde, waren es besonders die arbeiten, die die verarbeitung des nazi-erbes beinhalteten, die von interesse waren (anselm kiefer, gerhard richter usw.). in frankfurt scheint das interesse an den gegenwärtigeren fotoarbeiten einen fokus zu bilden. im erdgeschoss geschichtsstunde mit beuys, penck und immendorff, oben fotografie mit bechers und deren schülern.

initials dc ist franzose, lebt aber in frankfurt. in frankfurt leben spezialisten aus aller welt, das bedeutet längst nicht, dass sie deutsch können, mit englisch kommt man ganz fabelhaft durch die stadt. initials dc verständigt sich nicht nur fliessend in deutsch, auch in englisch, französisch (klar!), spanisch und esperanto. das hilft ihm vielleicht bei seiner arbeit bei der europäischen zentralbank, dort versucht er geldscheine zu kreieren, welche fälschern das leben schwer machen.
und was macht er dann abends? er klemmt gitarre und midi-player unter den arm und fährt per s-bahn zum konzert. zu seinem konzert. so wie heute ab 21 uhr im schick und schön in mainz. da singt er dann ganz sanft in französisch und englisch und es tönt sanfter, melodischer pop.

INITIALS DC (One-Man-Indie-Pop-Band)
im Schick & Schön
Holzhofstr. 3 (im Südbahnhof) Mainz

bis jetzt wurde noch sehr wenig darüber berichtet. was mich wundert. unglaublich geheim war es bis ende juli, dann langsam sickerten die ersten infos durch, konnte man das projekt im internet recherchieren und jetzt 14 tage bevor die erste ausgabe an den frankfurter zeitungskiosken liegt, künden die ersten meldungen davon: frankfurt bekommt eine neue tageszeitung.

thomas schinwald ist jung. ein bisschen über 30. er trägt diese turnschuhe für die thomas gottschalk in den 80er jahren werbung in jugendblättchen, wie der "bravo" gemacht hat. nur sind schinwalds schuhe mit klettverschluss und ganz in weiss, die streifen fehlen komplett. charmant führt er uns durch seine ausstellung. es klingt meist charmant wenn österreicher dinge erklären, selbst beim "von 1-100 zählen" klänge es noch charmant. nur allzu lang kann ich einen solchen charme nicht ertragen, dann wird das anstrengend.
die kunststiftung von siemens hat ihn jedoch in sein herz geschlossen und so stehen der schinwald, der siemens-mann und der leiter des kunstvereins vor uns und erklären die ausstellung. erklären schinwalds blick auf die welt. je lauter der erklärt wird, umso leiser wird der künstler. dabei ist der gar nicht schüchtern oder introvertiert, der erzählt auch gern über seine arbeiten, nur nicht dann, wenn die anderen laut über ihn dozieren. er erzählt, dass er mit mode begonnen hätte und später dann kunst studiert. sich an der mode abgearbeitet, indem er untragbare kleidung entwarf. das "jubel-hemd" beispielsweise, dass so geschneidert war, dass wohl ein dirigent wunderbar seine arme oben halten könne, nur beim herunternehmen würde es kneifen, dafür sei es nicht gedacht, nicht geschneidert worden.
dictio piiin der ausstellung werden die portraitierten auf alten bildern um metallene prothesen ergänzt. die stützen doppelkinn oder verbinden augenbraue mit dem ohr, fast wie implatate. beim gang durchs haus fühlt man sich vielleicht an "freaks" von tod browning erinnert oder an kuriositätenschauen, wo früher menschen mit anomalien dem publikum vorgeführt wurden. schlangefrauen, wie man sie auf den fotografien, 3 sind es in diesem raum, sehen kann. die hier wirken aber, trotz der verrenkungen, immer noch wie modefotos. schlangenfrauim 19. jahrhundert gab es charcots "hysterikerinnen"-fotografien. um die extremen verrenkungen bei ausbrüchen dieser "hysterikerinnen" deutlich ablichten zu können, mussten die posen in gestellen fixiert werden. nur so konnten diese trotz der langen belichtungszeit abgebildet werden. die gestelle wurde später aus den bildern wegretuschiert. männer hätte schinwald auch gern auf seinen fotografien gezeigt, nur gefunden habe er keine, die sich schlangenartig auf einem seiner bilder verknotet hätten. so bleiben es wieder nur die "schönen", mit modeassecoires verzierten, die sich ästhetisch ins bild biegen.

thomas schinwalds "tableau twain" im frankfurter kunstverein. 01.09.-24.10.04

ich mag solche orte. die irgendwann einmal etwas anderes waren oder gar noch sind. kleine intime räume. trudi sozialwie das pförtnerräumchen des ehemaligen polizeireviers, indem jetzt das "trudi sozial" mit seinen salon-samstagen gezogen ist. liebesdiensteoder die lesungen, die in dem überkitschten friseursalon, den "liebesdiensten", veranstaltet werden. eng ist es dort und man kommt mit dem eben noch fremden nachbarn ins gespräch. kann man auch kaum vermeiden, da man sich sonst noch auf fuß oder hand tritt. minikommunikationsstuben.