Ich komme von der Alten Oper und will von U-Bahn in den Bus nach Sachsenhausen umsteigen. Auf der B-Ebene fällt mir sofort wieder ein, dass CSD ist. Es ist kaum zu übersehen: Jetzt am Abend sind die Feiernden schon gut angeheitert. Es stehen Grüppchen vor den Toiletten und auch sonst gibt es etliche besonders schöne Männer, die sich hier unten aufhalten. Dumpf dröhnt die Musik, ein hämmernder Disco-Sound. Beim "Nachtleben", wo ich nach oben stoße, wird die Musik zum Lärm, nur schnell weg, rüber zur Bushaltestelle.
Auf der Anzeige steht es: Der Bus kommt in neun Minuten. Um die Wartezeit zu überbrücken laufe ich hinüber zum anderen Ende der Haltestelle, wo ich mir bessere Sicht auf die Konstablerwache verspreche. Auf dem Weg komme ich an zwei ziemlich platten Jungs vorbei, die in sich gesunken da sitzen. Jungs mit breiten ausgewaschenen Jeans, die viel zu tief runterängen und mit hohen Basecaps, wie Jan Delay sie früher oft trug, wo man denkt, dass die irgendwie zu klein sind oder der Kopf viel zu groß. Fast schon vorübergegangen, ruft der eine plötzlich: "Ey, weisst du, wir sind nämlich schwul!". Der andere guckt auf, grinst. Ich sage langsam und betont desinteressiert: "Und?". Denke mir, wenn die schwul wären, dann säßen die nicht hier und würden unnötig nerven, sondern würden ausgelassen da drüben feiern, so wie es sich gehört. Der Zweite, der bis jetzt nur schief gegrinst hatte, ruft auch schon: "Ey, das ist noch so ne Lesbe". Ich geh weiter und lass die beiden hinter mir.
Acht Minuten: Hinten angekommen, blicke ich direkt auf das Sanitätszelt, davor etwa zehn Rot-Kreuz-Helfer. Die Partymusik wummert und die Rot-Kreuzler schubbern im Takt, bewegen die Hüften, ein langsamer Reigen, der immer dynamischer wird, bald schon reibt sich Hintern an Hintern, drehen sich Körper zum Rhythmus. Ein friedliches Bild. Ich merke, wie ich selbst zur Musik wippe. Ich lächle vor mich hin und fühle mich seltsam beschwingt.
Sechs Minuten: Nur aus den Augenwinkeln hatte ich mitbekommen, dass gleich neben mir, hinter der Laterne ein Mann angekommen war. Er dreht den Kopf zu mir, automatisch ohne nachzudenken - immer noch im beschwingten Tran - lächle ich ihn an. Was jetzt kommt, kenne ich seit meiner Teenagerzeit. Irgendwelche Typen, die immer gefühlte zehn Jahre älter sind als ich, meist mit mit arabischen oder nordafrikanischen Hintergrund, sprechen mich daraufhin an, ob wir nicht was trinken gehen wollen, einen Kaffee, einen Tee, irgendwas. Worauf ich mich früher, immer schön weiter lächelnd, um nicht unhöflich zu wirken, auf langwierige Diskussionen einliess, warum ich denn nicht mitgehen wolle. Spätestens durch meinem Aufenthalt in Indien hatte ich gelernt, dass nun mit sofortiger Wirkung das Lächeln auszustellen ist, auf den daheim wartenden Ehemann verwiesen wird, man sich nach einer aprubten Drehung fünf Meter entfernt hinstellt, wo man nun in Ruhe auf das warten kann, was man wirklich erwartet hatte, anstatt einer drögen Anmache.
Fünf Minuten: Ich sitze mittlerweile. Neben mir sitzen zwei Checker in Adidas-Anzügen. Ein dritter Bulliger kommt hinzu, drückt dem einen Sitzenden ganz beiläufig in die wie zufällig geöffnet wirkende Hand ein braunes Plättchen und murmelt, das sei keine 40 Euro wert, höchstens 30, er gebe das jetzt zurück, geht weiter, der andere Checker steht auf, geht dem Bulligen nach, spricht leise auf ihn ein. Der mit dem Plättchen steht auch auf, will Richtung "Nachtleben", ich merke wie er mich anschaut, doch ich seh einfach nur gerade aus und fokussiere ins Nichts. Dann schau ich ihm doch nach. Er dreht sich um und sieht zurück zu mir, geht aber weiter. Wahrscheinlich, um das Plättchen in das Erdreich der Straßenbepflanzung zu versenken. Mich wundert, dass das immer noch gemacht wird. Wäre ich Polizist, würde ich dort regelmäßig mit einer Hacke graben. Wäre ich Dealer, würde ich dort erst gar nichts verstecken, schließlich, weiss doch ziemlich jeder, was da lagert und das ist doch ein höchst unsicherer Zustand.
Zwei Minuten: Die Musik liegt weiterhin in der Luft, ich wippe mit den Füßen im Takt. Der Checker kommt zurück, läuft an mir vorbei und sagt: "Geile Mucke, nicht?" Ich nicke, wippe weiter mit den Füßen. Abgang Dealer.
Eine Minute: Auftritt Schönheit. Mit langen Beinen, Minirock, wunderbaren langen glatten Haaren trippelt er in roten hochstieligen Lackpumps an mir vorbei zum Automaten, um ein Ticket zu lösen. Die Gestalt ist elfengleich. Mein Blick ruht auf der unwirklichen, da atemberaubend schönen, Erscheinung.
Der Bus kommt. Das Warten ist beendet. Alle drängeln hinfort. Der Zauber verfliegt im Trott der eingeübten Aktionen.
Auf der Anzeige steht es: Der Bus kommt in neun Minuten. Um die Wartezeit zu überbrücken laufe ich hinüber zum anderen Ende der Haltestelle, wo ich mir bessere Sicht auf die Konstablerwache verspreche. Auf dem Weg komme ich an zwei ziemlich platten Jungs vorbei, die in sich gesunken da sitzen. Jungs mit breiten ausgewaschenen Jeans, die viel zu tief runterängen und mit hohen Basecaps, wie Jan Delay sie früher oft trug, wo man denkt, dass die irgendwie zu klein sind oder der Kopf viel zu groß. Fast schon vorübergegangen, ruft der eine plötzlich: "Ey, weisst du, wir sind nämlich schwul!". Der andere guckt auf, grinst. Ich sage langsam und betont desinteressiert: "Und?". Denke mir, wenn die schwul wären, dann säßen die nicht hier und würden unnötig nerven, sondern würden ausgelassen da drüben feiern, so wie es sich gehört. Der Zweite, der bis jetzt nur schief gegrinst hatte, ruft auch schon: "Ey, das ist noch so ne Lesbe". Ich geh weiter und lass die beiden hinter mir.
Acht Minuten: Hinten angekommen, blicke ich direkt auf das Sanitätszelt, davor etwa zehn Rot-Kreuz-Helfer. Die Partymusik wummert und die Rot-Kreuzler schubbern im Takt, bewegen die Hüften, ein langsamer Reigen, der immer dynamischer wird, bald schon reibt sich Hintern an Hintern, drehen sich Körper zum Rhythmus. Ein friedliches Bild. Ich merke, wie ich selbst zur Musik wippe. Ich lächle vor mich hin und fühle mich seltsam beschwingt.
Sechs Minuten: Nur aus den Augenwinkeln hatte ich mitbekommen, dass gleich neben mir, hinter der Laterne ein Mann angekommen war. Er dreht den Kopf zu mir, automatisch ohne nachzudenken - immer noch im beschwingten Tran - lächle ich ihn an. Was jetzt kommt, kenne ich seit meiner Teenagerzeit. Irgendwelche Typen, die immer gefühlte zehn Jahre älter sind als ich, meist mit mit arabischen oder nordafrikanischen Hintergrund, sprechen mich daraufhin an, ob wir nicht was trinken gehen wollen, einen Kaffee, einen Tee, irgendwas. Worauf ich mich früher, immer schön weiter lächelnd, um nicht unhöflich zu wirken, auf langwierige Diskussionen einliess, warum ich denn nicht mitgehen wolle. Spätestens durch meinem Aufenthalt in Indien hatte ich gelernt, dass nun mit sofortiger Wirkung das Lächeln auszustellen ist, auf den daheim wartenden Ehemann verwiesen wird, man sich nach einer aprubten Drehung fünf Meter entfernt hinstellt, wo man nun in Ruhe auf das warten kann, was man wirklich erwartet hatte, anstatt einer drögen Anmache.
Fünf Minuten: Ich sitze mittlerweile. Neben mir sitzen zwei Checker in Adidas-Anzügen. Ein dritter Bulliger kommt hinzu, drückt dem einen Sitzenden ganz beiläufig in die wie zufällig geöffnet wirkende Hand ein braunes Plättchen und murmelt, das sei keine 40 Euro wert, höchstens 30, er gebe das jetzt zurück, geht weiter, der andere Checker steht auf, geht dem Bulligen nach, spricht leise auf ihn ein. Der mit dem Plättchen steht auch auf, will Richtung "Nachtleben", ich merke wie er mich anschaut, doch ich seh einfach nur gerade aus und fokussiere ins Nichts. Dann schau ich ihm doch nach. Er dreht sich um und sieht zurück zu mir, geht aber weiter. Wahrscheinlich, um das Plättchen in das Erdreich der Straßenbepflanzung zu versenken. Mich wundert, dass das immer noch gemacht wird. Wäre ich Polizist, würde ich dort regelmäßig mit einer Hacke graben. Wäre ich Dealer, würde ich dort erst gar nichts verstecken, schließlich, weiss doch ziemlich jeder, was da lagert und das ist doch ein höchst unsicherer Zustand.
Zwei Minuten: Die Musik liegt weiterhin in der Luft, ich wippe mit den Füßen im Takt. Der Checker kommt zurück, läuft an mir vorbei und sagt: "Geile Mucke, nicht?" Ich nicke, wippe weiter mit den Füßen. Abgang Dealer.
Eine Minute: Auftritt Schönheit. Mit langen Beinen, Minirock, wunderbaren langen glatten Haaren trippelt er in roten hochstieligen Lackpumps an mir vorbei zum Automaten, um ein Ticket zu lösen. Die Gestalt ist elfengleich. Mein Blick ruht auf der unwirklichen, da atemberaubend schönen, Erscheinung.
Der Bus kommt. Das Warten ist beendet. Alle drängeln hinfort. Der Zauber verfliegt im Trott der eingeübten Aktionen.
tinowa - am Samstag, 21. Juli 2007, 23:05 - Rubrik: Wohnzimmer